Tierschutz im Saarland
                                  

Tierschutz beginnt im Kopf

Tierliebe ist ein Gefühl, und ist unserem Verständnis nach im Herzen beheimatet. Für manche unserer Mitmenschen auch im Bauch.

Tierschutz aber fängt im Kopf an. Beim Umgang und bei der Haltung von Heimtieren gibt es verschiedene Ursachen und unterschiedliche Motive, welche uns bei unserer Einstellung und Handlung beeinflussen. Häufig folgt unser Handeln einem Selbstzweck, einem persönlichen, egozentrischen Ziel. Tierschutz verpflichtet uns aber, vor allem das Ziel des Tieres vor Augen zu haben. Dem Ziel des Tieres entspricht eine artgerechte, möglichst naturbezogene Lebensweise, welche die Unterbringung, die Fütterung und die umgebende soziale Struktur beinhalten. Wenn wir also über Tierschutz reden, sollten wir uns zuerst die Frage stellen: Was will das Tier? Was ist für das Tier artgerecht? Was dient dem Wohlbefinden, der Gesundheit und der körperlichen Integrität eines Tieres?

Wenn wir diese Fragen häufiger stellen, sie auch zur Grundlage unseres Handelns machen würden, würde es das millionenfache Martyrium von Zierfischen in meistens zu kleinen und/oder falsch gestalteten Aquarien nicht geben. Hamster würden in Kinderzimmern nicht täglich aus dem Schlaf gerissen und zu einer zwangsweisen Tagesschicht verdammt sein und Vögel müssten nicht in viel zu kleinen Käfigen an falschen Plätzen im Wohnzimmer Ihr Dasein fristen. Auch in der Haus- und Heimtierzucht würde es keine Qualzucht mehr geben und den Tieren würde sehr viel Leid erspart bleiben (diese Auflistung kann seitenlang fortgesetzt werden).

Auch die Tierhalter müssen für das Elend und die Qualen der Haus- und Heimtiere sensibilisiert werden. Sehr viel Tierleid entsteht durch Gleichgültigkeit, Unachtsamkeit und Unwissen von Züchtern und Haltern. Tierschutz ist von jeglicher Ideologisierung zu befreien und nur durch eine intensive Zusammenarbeit aller betroffenen Gruppen, nämlich von Tierhaltern, Tierzüchtern, Tiernutzern, Tierärzten und Tierschützern zu erreichen. Nur wenn wir es schaffen, gemeinsam miteinander zu reden, andere Standpunkte zu verstehen und zu akzeptieren und das gemeinsame Ziel suchen, werden wir den Tierschutz praktisch voranbringen und den Tieren helfen. Schuldzuweisungen und überzogene Maximalforderungen gegen andere Gruppen werden uns nicht weiter bringen. Sie werden eher den Weg blockieren und uns daran hindern, das Ziel zu erreichen.

Ein wichtiger Schritt liegt in den Händen der Tierzüchter, der Tierärzte und der Tierschützer, gemeinsam die Bevölkerung darüber aufzuklären, sich vor der Anschaffung eines Tieres um dessen Bedürfnisse, seine Haltungs- und Ernährungsbedingungen und auch die daraus möglicherweise entstehenden Kosten zu informieren. Wichtige Fragen, die vor der Anschaffung eines Tieres zu stellen sind, lauten: Passt das Tier zu mir und meine Vorstellungen? Kann ich seinen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht werden? Wer täglich Marathon läuft, sollte sich keinen Schoßhund anschaffen und ein jagdlich gezüchteter Hund gehört nur in die Hände eines beruflich Jagdbevollmächtigten.

Tagtäglich werden Tiere angeschafft, deren Unterhaltskosten man schlichtweg nicht eingeplant hat, oder dessen Krankenkosten man nicht bezahlen will. Das Ergebnis sind schlecht oder gar nicht versorgte Tiere. Nur über einen Bruchteil von ihnen wird in den Medien berichtet. Genauso schlecht ist eine Überversorgung des Tieres. Die tägliche Fütterung mit "Pralinen" entspricht eben nicht der artgerechten Fütterung. Es ist schlicht weg Tierquälerei. Allenfalls ist es noch beim Besitzer mit einem pathologischen Bedürfnis an Zuwendung zu erklären. Beim Begriff "animal hording" schüttelt jeder verständnislos den Kopf, aber der Übergang dahin ist fließend. Rein rechnerisch kann ich bei 22 Katzen dem Einzeltier weniger Zuwendung geben, als wenn ich nur zwei Katzen versorgen muss. Häufig für das Argument, dass die Tierhaltung in einem Rudel artgerecht sei. Selten wird dabei berücksichtigt, dass es sich meistens um einen bunt zusammengewürfelten Haufen von Tieren und nicht um ein Rudel handelt. Der Begriff "Rudel" beinhaltet für einen Biologen klar formulierte Strukturen und Bindungen. Ein Rudel ist eine geschlossene Gruppe von Individuen. Mitglieder eines Rudels sind nicht beliebig austauschbar weil teilweise starke soziale Bindungen bestehen. Die bekannte Bildung von Rudeln wird bei Wölfen, Löwen aber auch Wildschweinen praktiziert.

Die bisher aufgezählten Tatsachen sollen nur den Bereich aufzeigen, in dem Verbesserungen dringend notwendig sind. In der Gesellschaft unserer BRD gibt es sehr viele Verbände, Vereine und Institutionen, die sich engagiert und teilweise erfolgreich für den Tierschutz einsetzen. Dennoch, es wird von allen engagierten Tierschützern bestätigt: es muss noch sehr viel für den Tierschutz und für die Aufklärung in der Bevölkerung getan werden. Die unterschiedlichen Ziele, die hier den Tierschützern vor Augen schweben, sind nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist jeder einzelne Schritt, der uns in die richtige Richtung voranbringt.

Eine Forderung an die Politik ist es , in Zusammenarbeit mit den Fachleuten des Tierschutzes ein Heimtierzuchtgesetz zu gestalten, welches wegweisend Tierleid verhindert und die Lebens- und Haltungsbedingungen von Nutztieren, Haus- und Heimtieren, aber auch Exoten, Wildtieren und allen anderen umfassend und tiergerecht regelt. Diese Forderung wird allerdings nur zu erreichen sein, wenn alle Tierschützer und die, die sich als solche bezeichnen, an einem gemeinsamen Strang ziehen und sich gemeinsam für die Sache engagieren.  

 

Das Wenige, das Du tun kannst, ist viel - wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von nur einem Wesen nimmst!
Albert Schweitzer