Fachtagung Berlin

07.09.2016 - Transparenz, Rechtssicherheit und Gesundheitsschutz: Warum ein bundesweites Register für Heimtiere unabdingbar ist

 

Ergebnisse der Fachtagung „Europa auf dem Weg zu verantwortlicher Heimtierhaltung – Anforderungen an eine bundesweite Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen“

Sulzbach/Ts. / Berlin, 7. September 2016 – Zunahme des illegalen Welpenhandels, überfüllte Tierheime und unnötige Kosten in den Ländern und Kommunen: Viele Probleme im Heimtierbereich bestehen aufgrund einer nicht vorhandenen einheitlichen Regelung zur Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen. Zu dieser Thematik fand am Dienstag, den 6. September 2016, in der Vertretung des Saarlandes in Berlin eine von der Tierschutzorganisation TASSO e.V. und dem Tierschutzbeauftragten des Saarlandes, Dr. Hans-Friedrich Willimzik, organisierte Fachtagung statt. Co-Veranstalter waren der europäische Dachverband der Tierregister Europetnet sowie die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN DEUTSCHLAND.

Interessensvertreter aus Tierschutz und Tierärzteschaft, Parlamentarier und Tierschutzbeauftragte der Länder referierten im Rahmen der Fachtagung „Europa auf dem Weg zu verantwortlicher Heimtierhaltung – Anforderungen an eine bundesweite Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen“ zu diesem Thema aus der Sicht ihres jeweiligen Fachbereiches.

Die Ausgangslage in Deutschland ist verheerend: Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern mit zusätzlichen regionalen und kommunalen kostenpflichtigen Registern, ist die Kennzeichnung und Registrierung von Heimtieren in Deutschland in keiner Weise einheitlich geregelt.

Rechtssicherheit durch Registrierung

„Um die Vision „jeder Hund/jede Katze hat einen Transponder“ zu erreichen, müssten alle Heimtiere in einem bundesweiten zentralen Register zusammengeführt werden. Dies würde weniger Kosten für Tierheime, Ordnungsämter, Fundbehörden und Tierhalter bedeuten. Ebenso würde ein solches zentrales Erfassungssystem mehr Rechtssicherheit bieten, indem für jedes Tier der Halter zur Rechenschaft gezogen werden kann“, fasst der saarländische Tierschutzbeauftragte Dr. Hans-Friedrich Willimzik die Vorteile einer bundesweit geltenden Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht zusammen.

Kostenersparnis für Tierheime

Philip McCreight, Leiter der Tierschutzorganisation TASSO e.V., ergänzt aus seiner 30-jährigen Erfahrung mit der Rückvermittlung von Heimtieren: „Wir bei TASSO bringen jährlich rund 60.500 entlaufene Tiere wieder zurück nach Hause. Damit ersparen wir den Tierheimen Kosten in Höhe von 11 Millionen Euro, da diese Tiere dort nicht versorgt werden müssen. Wären deutschlandweit alle Haustiere bei TASSO als zentralem Register erfasst, könnten wir Tierheime sogar um 27 Millionen Euro jährlich entlasten.“

Gesundheitsschutz und Eindämmung des illegalen Welpenhandels

Einen weiteren wichtigen Aspekt thematisierte Dr. Renate Sommer, Mitglied des Europäischen Parlamentes: „Die erschreckenden Berichte über den illegalen Welpenhandel und das damit einhergehende unglaubliche Tierleid zeigen, dass die nationalen Regelungen nicht ausreichen, um den Schutz der Tiere zu gewährleisten.“ Da diese Tiere zudem häufig nicht geimpft seien und auch für den Menschen gefährliche Krankheitserreger in sich trügen, betreffe dieses Problem auch die öffentliche Gesundheit, den Verbraucherschutz und die Bekämpfung organisierter Kriminalität, so Dr. Renate Sommer weiter.

Transfer von nationaler auf europäische Ebene

In der Podiums- und Abschlussdiskussionsrunde waren sich alle Interessensvertreter einig: Eine ausreichende Transparenz, Rechtssicherheit und vor allem ein umfassender Gesundheitsschutz im Bereich Hunde und Katzen können nur durch ein kostenfreies bundeseinheitliches Register erreicht werden. Mit einem solchen zeitgemäßen System, das zur nachhaltigen Lösung nahezu aller Probleme im Heimtierbereich beiträgt, könnte Deutschland innerhalb der Europäischen Union eine Führungsposition einnehmen. Darüber hinaus könnte das deutsche System als Vorbild für die Einrichtung einer EU-weiten Harmonisierung der Kennzeichnung und Registrierung von Heimtieren dienen, wie sie das Europaparlament mit großer Mehrheit bereits im Februar 2016 von der EU-Kommission gefordert hat. Die Machbarkeit eines solches EU-weiten Systems hat die interdisziplinäre Expertengruppe (CAROdog/cat), zu der auch TASSO gehört, bereits in einem konkreten Konzept ausgearbeitet.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie eine umfangreiche Tagungsmappen finden Sie unter
www.tasso.net/fachtagung-berlin.


Bildunterschrift: Gruppenbild der Referenten und Moderatoren

v. l. n. r.: Prof. Dr. Horst Spielmann, Tierschutzbeauftragter des Landes Berlin; Dr. Petra Sindern, 1. Vizepräsidentin des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte e.V.; Philip McCreight, Leiter von TASSO e.V.; Dr. Iris Fuchs, Vizepräsidentin der Bundestierärztekammer e.V.; Dr. Sven Hüther, ISO-Experte, Sprecher der Expertengruppe CARO EU Canine and Feline Traceability; Sarah Ross, Leitende Heimtierexpertin, VIER PFOTEN International
Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Tierschutzbeauftragter der Saarlandes; Dr. Renate Sommer, Mitglied des Europaparlaments; Diana Plange, amtliche Tierärztin im Veterinäramt Spandau von Berlin; Elisabeth Jeggle, ehemalige Europaabgeordnete; Dr. Marco König, Tierschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt; Michaela Dämmrich, Tierschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen; Dr. Christoph Maisack, Stabsstelle Landestierschutzbeauftragte Baden-Württemberg; Pierre Sultana, LL.M. Leiter VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz, Europabüro, Brüssel; Andreas Erler, M.A., Eurogroup for Animals; Dr. Sophie Arnold, Fachreferentin für Heimtiere, Akademie für Tierschutz, Deutscher Tierschutzbund e.V.