Stadttauben

Stadttauben in Saarlouis

 

Begriffsbestimmung

Bei der Stadttaube handelt es sich um Abkömmlinge der ursprünglichen Felsentaube. Deshalb ist sie nicht als Wildtier zu bezeichnen und nicht mit der Ringeltaube zu verwechseln.

Felsentauben und damit auch die Stadttauben oder Brieftauben haben sich sehr gut an das Umfeld unserer Städte gewöhnt, da ein Naturfelsen oder eine leerstehende Hausruine, ein Fabrikgebäude oder eine Brücke quasi identisch sind. Diese Vögel nisten eben nicht in Bäumen, sondern suchen sich Nischen oder Höhlen, die vom Menschen gemacht sind.

Außerdem muss der Verantwortliche einer Stadt wissen, dass es in Deutschland eine sehr große Zahl an Taubenzüchtern gibt, die beim sogenannten „Taubensport“ ihre sogenannten „Leistungstiere“ viele Male im Jahr auf große Reisen schicken. Sehr viele dieser Tiere kehren nicht zurück und viele von ihnen verwildern jedes Jahr und gesellen sich zu anderen wild lebenden Populationen. Dieses bedeutet im Klartext, selbst wenn man erfolgreiche Maßnahmen zur Dezimierung der vorhandenen Stadttauben durchführt, wird es genau aus diesem Pool immer wieder einen kontinuierlichen und nicht unerheblichen Nachschub geben.

Ein wichtiger Grund, weshalb sich unsere Stadttauben auch eben besonders gerne in der Stadt aufhalten ist, neben dem Vorhandensein der gewohnten Nistmöglichkeiten, das Vorhandensein von ausreichend viel Futter. Überall wo Menschen Pausen machen, sei es am Bahnhof, an der Bushaltestelle, in Parks oder anderswo werden sehr viele Nahrungsmittel weggeworfen, die nicht nur Tauben sondern auch anderen Tieren als reichhaltiger Futterplatz dienen. Zudem gibt es immer wieder vereinzelte Mitbürger, welche mit den Armen Tauben Mitleid haben und diese zusätzlich füttern, weil ihrem Empfinden nach Jahr von anderer Stelle her nichts getan wird. Ein Stadttauben-Programm, durch die Stadt entsprechend kommuniziert, wird diesem Füttern deutlich Einhalt gebieten.

Vorgeschichte

Seit längerem gibt es in der Stadt Saarlouis ein Problem mit Stadttauben. Dies hat zu einer größeren Verschmutzung in der Innenstadt, von Gebäuden, Denkmälern und Grünanlagen geführt. Als Ergebnis besteht bei Hauseigentümern, Gewerbetreibenden und Benutzern der Innenstadt eine mehr oder weniger große Verärgerung. Das Ergebnis ist, dass wiederholt von den Hauseigentümern oder auch der Stadt Saarlouis selbst Vergrämungsmaßnahmen mit mehr oder weniger großem Erfolg durchgeführt wurden, nie aber mit einer länger dauernden Wirkung. Andererseits hat es immer wieder zu einer erheblichen Verärgerung der sogenannten Tierfreunde geführt, wenn in Netzen strangulierte Vögel oder verletzte Tiere die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregten.

Aktuelle Situation

Seit einigen Jahren gibt es ein Taubenhaus im Bahnhof der Deutschen Bundesbahn in Saarlouis Roden. Die Räume wurden bisher von der Deutschen Bahn unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Betreuung und der Unterhalt dieses Hauses wurde von einer Privatperson, Frau Hermann, persönlich und auf eigene Kosten mit sehr gutem Erfolg durchgeführt. Aktuell werden in diesem Taubenhaus ca. 250 Tiere betreut, gefüttert und die Nistplätze kontrolliert und die überzähligen Taubeneier entnommen und durch Attrappen ersetzt. Das Ergebnis dieses Taubenhauses ist, dass die Tiere sich überwiegend dort aufhalten und ihren Kot absetzen, welcher dann gezielt von Frau Hermann entsorgt wird. Das Ergebnis ist, dass sowohl die Bahnsteige als auch der Bahnhofsvorplatz aktuell einen sehr sauberen Eindruck (in Bezug auf Taubenkot) hinterlassen.

Dieses Taubenhaus sollte laut Deutsche Bundesbahn Ende des Jahres 2015 eigentlich geschlossen werden. Dies hätte eine erhebliche Zunahme der Verschmutzung im Bereich des Bahnhofes, des Bahnhofsvorplatzes aber auch in anderen Bereichen der Stadt Saarlouis geführt.

Ein weiteres Taubenhaus, mit nicht unerheblichen Kosten durch die Stadt aufgestellt und finanziert, wird durch die „Interessengemeinschaft“ zweier Vereine betreut. Da das Haus allerdings an einer völlig ungeeigneten Stelle platziert wurde und auch die Qualität der Betreuung sich offensichtlich nicht optimal gestaltet, wird dort zwar sehr viel Futter eingesetzt, das Brüten von Tauben hat allerdings dort soweit bekannt noch nicht stattgefunden. Dafür haben allerdings in nicht unerheblicher Zahl zu mindestens Ratten die Fütterungsstelle für sich entdeckt und nutzen sie täglich. Über das Thema Ineffektivität und Seuchengefährdung braucht man an dieser Stelle gar nicht erst zu sprechen.

Lösungsansätze in anderen Städten

Auch in der Nachbarschaft von Saarlouis gibt es Städte, die ihr Taubenproblem erfolgreich angegangen sind, in dem sie Mitarbeiter des Bauhofes mit der Betreuung entsprechender Taubenhäuser beauftragt haben.

Die Stadt Frankfurt, zugegebenermaßen etwas größer als Saarlouis, verfügt ebenfalls über ein Konzept mit Taubenhäusern, was dazu geführt hat, dass die Belastung in der Stadt in den letzten Jahren und Jahrzehnten dramatisch abgenommen hat. Entsprechende Informationen sind bei der Stadtverwaltung einzuholen.

Die Stadt Saarbrücken verfügt ebenfalls über mehrere Taubenhäuser wobei ein spezieller eingetragener Verein sich erfolgreich für dieses Projekt engagiert hat. Entsprechende Informationen sind beim Verein Stadttauben Saarbrücken e. V. über die erste Vorsitzende Frau Ehretsmann einzuholen.

Lösungsansätze

Betrachtet man die verschiedenen Projekte, die in der Bundesrepublik oder auch in Mitteleuropa in der Vergangenheit versucht worden sind, stellt man sehr schnell fest, dass alle Vergrämungsmethoden, alle Fang- oder Tötungsversuche nicht zielführend sind!

Mittelfristig und langfristig ist allein das Einrichten von Taubenhäusern zielführend. Dadurch, dass an diesen Plätzen, die Vögel sowohl ihr Futter als auch ihren Nistplatz finden, halten sie sich dort überwiegend auf und legen dort ihren Kot ab. Der Kot kann gezielt entfernt werden. Die brütenden Tiere können auf ihren Gesundheitszustand kontrolliert, gegebenenfalls behandelt oder eliminiert werden. Das Ausbreiten von Seuchen wird verhindert. Die gelegten Eier werden kontrolliert entnommen und durch Eiattrappen aus Gips ersetzt. Die Population wird so mittelfristig reduziert. Freiwerdende Nistplätze im Taubenhaus werden durch zuziehende Tiere aus anderen Bereichen der Stadt aufgefüllt.

In den vergangenen zwölf Monaten hat es eine Reihe von Gesprächen durch den Landesbeauftragten für Tierschutz des Saarlandes, Herrn Dr. Hans-Friedrich Willimzik, und den Deutschen Tierschutzbund Landesverband Saar, vertreten durch die Vorsitzende Frau Beatrice Speicher-Spengler und den zweiten Vorsitzenden Herrn Achim Dellwo, einerseits und die Deutsche Bahn AG sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Saarlouis andererseits gegeben.

Von Seiten der Leitung der Deutschen Bundesbahn in Saarbrücken ist zwischenzeitlich signalisiert worden, dass man an einem langfristigen Konzept interessiert ist, das den Bahnhof und den Bahnhofsvorplatz bezüglich der Tauben sauber hält. Dabei wird immer wieder als Argument ins Feld geführt, dass dieser Bereich die Eintrittspforte für sehr viele Besucher und Gäste der Stadt Saarlouis darstellt. Deshalb hat sich die Deutsche Bundesbahn bereit erklärt, im Bahnhofsgebäude weiterhin, sogar unter verbesserten Bedingungen, Räume zur Verfügung zu stellen, in denen ein tierschutzgerechtes Taubenhaus ausgebaut werden kann.

Wenn man einen langfristigen Lösungsansatz erfolgreich erreichen will, muss man das Verhalten und die Grundbedürfnisse der Betroffenen Stadttauben berücksichtigen. Zur Futtersuche können Stadttauben bis zu 20 km fliegen. Das bedeutet, dass man die Stadt Saarlouis nur als Ganzes in einem Lösungskonzept erfassen kann. Tauben brüten zwischen zwei- und viermal im Jahr, ohne dass es hier eine saisonale Häufung gibt. Das bedeutet, dass ein Taubenhaus ganzjährig und gleichmäßig betrieben werden muss.

Maßnahmen

Zum einen muss es allen Beteiligten klar sein, dass es nur ein Gesamtkonzept zur Lösung des Taubenproblems in der Stadt Saarlouis geben kann.

Zum zweiten muss eine Analyse durchgeführt werden an welchen Stellen in Saarlouis ein Taubenhaus sinnvoll platziert werden kann. Dieses hat bereits dahingehend stattgefunden, dass die Fachleute der einhelligen Meinung sind, dass das Taubenhaus im Bahnhof unbedingt zu erhalten ist. Zum weiteren bedarf man eines Taubenhauses im Bereich der Innenstadt. Hier bietet sich das Dach eines Parkhauses an, was den Gewohnheiten der Felsentaube entsprechen würde. Eine Umstellung des bisherigen Taubenhauses hinter dem Großmarkt an diese neue Stelle wäre dringend notwendig und wurde bereits von der Stadt geplant. Weiterhin ist anschließend zu kontrollieren, ob ein weiteres Taubenhaus aufgrund der gesamten Population im Saarlouiser Stadtgebiet notwendig wird, um flächendeckend aus dem gesamten Stadtgebiet zukünftig alle Tauben an diesen Punkten zu konzentrieren.

Zum dritten ist das Taubenhaus-Konzept durch qualifiziertes Personal zu betreiben. Nur so ist es sicherzustellen, dass ein Taubenhaus erfolgreich ist. Dazu ist zu erfassen, dass das bisherige Taubenhaus im Bahnhof Saarlouis einen Zeitaufwand von wöchentlich 15-20 Stunden beinhaltet. Dies entspricht einem täglichen Zeitaufwand von fast 3 Stunden (sieben Tage Woche). Durch ergonomische Verbesserungen wird sich dieser Zeitaufwand in einem neu zu gestaltenden Taubenhaus an gleicher Stelle nur geringfügig vermindern lassen. Der gleiche Zeitaufwand wird für ein funktionierendes Taubenhaus auf dem Dach der Parkgarage anzusetzen sein. Dafür wird dieses Haus aber in sehr kurzer Zeit auch mindestens 250, vielleicht 300 Tauben aus dem Stadtbild weitgehend entfernen. Diese Verminderung an Tauben wird im Stadtbild in Form einer zunehmenden Sauberkeit sichtbar werden.

Zum vierten ergibt sich aus dem eben Gesagten, dass dieses Projekt zu einer deutlichen Kosteneinsparung im Bereich Reinigung sowohl bei der Stadt als auch bei den Hausbesitzern und den Gewerbetreibenden führen wird. Weiterhin können zukünftig alle Ausgaben für sonstige Maßnahmen eingespart werden.

Schlussbetrachtung

Nicht nur aus Sicht des Landestierschutzbeauftragten des Saarlandes und den Vorstandsmitgliedern des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Saar, sondern auch unter Hinzuziehung der fachlichen Meinung von Sachverständigen ist das Problem der Verschmutzung der Stadt Saarlouis durch Stadttauben mittelfristig und erfolgreich nur durch das gezielte Betreiben von gut ausgestatteten und versorgten Taubenhäusern zu gewährleisten. Hierzu sollte vom Stadtrat der Beschluss gefasst werden, ein entsprechendes Konzept für die Aufstellung und den Betrieb der Taubenhäuser zu beschließen. Das entsprechende fachlich geschulte Personal kann durch den Deutschen Tierschutzbund Landesverband Saar vermittelt werden.

Um das Problem kurzfristig aber endgültig zu lösen, darf ich deshalb den Stadtrat von Saarlouis um die entsprechenden Entscheidungen bitten. Auch hier ist die Zufriedenheit von Bürgern wichtig. Bürger wünschen Taten und Erfolge.